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08.11.2011, Bruno Wildhaber

Leitlinien fehlen

Virtuelle Rechner und Anwendungen werden im Netz zur Verfügung gestellt und können durch den Anwender beliebig zusammengestellt werden («Cloud Computing»). Obwohl die Finanzbranche dieser Entwicklung nur verzögert unterliegt, wird sie mit den daraus entstehenden Folgen unmittelbar konfrontiert. Eine Arbeitsgruppe aus IT-Spezialisten hat sich damit auseinander gesetzt.

Während die Basisleistungen der IT immer einfacher verfügbar werden, wachsen die Datenmengen ins Unermessliche. Durch die permanente Zunahme der Dateigrösse und die daraus resultierenden Anforderungen an die Speicher wird es unumgänglich werden, mit den Informationen intelligenter als heute umzugehen.

Probleme die gelöst werden müssen:
• Die Betriebskosten explodieren, weil die Suche nach Daten zeitlich und personell
unkontrollierbar wird, bzw. sich zum Generalstabsmanöver auswächst («E-Discovery»).
• Management und Mitarbeiter verlieren das Vertrauen in die Qualität der
Informationsverarbeitung und die IT sowie weitere mit dem Management von Informationen
betraute Organisationseinheiten als Leistungserbringerin.
• Rechtliche Anforderungen können nicht mehr erfüllt werden, Prozesse gehen wegen
mangelnder Beweismittel verloren.
• Es entstehen unüberschaubare Datensilos.

In der Realität wird Informationsbearbeitung aber heute noch immer von unten her angegangen. D.h., bei der Aufarbeitung der gezeigten Anforderungen kommt zuerst der produktive Teil ins Spiel, nämlich die IT . Dies ist nicht grundsätzlich von Nachteil, aber leider sind die produzierenden Abteilungen in der Regel in vorgegebenen Strukturen gefangen und haben eine rein vertikale, disziplinäre Sicht – Datensilos sind der Regelfall. Ein Trend, der sich im letzten Jahrzehnt noch weiter verstärkt hat. Die horizontale Integration, d.h. die unternehmerische Sicht auf die verschiedenen Datenhaltungstöpfe, fehlt weitgehend. Es besteht also die dringende Notwendigkeit, einer übergeordneten Sicht zu folgen, die es auch den Parteien im Unternehmen ermöglicht, einer gemeinsamen Strategie im Rahmen der Informationsbearbeitung zu folgen. Heute sind die verschiedenen Disziplinen der Informationsverarbeitung organisatorisch im Unternehmen verteilt. Es fehlt aber eine übergeordnete Leitlinie, die es ermöglichen würde, sich auf die unternehmerischen Ziele zu orientieren. Dazu gehört eine IM -Strategie, welche die strategische Unternehmensführung mit dem Wertschöpfungsfaktor Information verbindet. Information Management ist eine Langzeitaktivität und hat damit zwingend strategischen Charakter. Mit der strategischen Positionierung des Themas IM und dessen konsequenter Umsetzung kann das Unternehmen somit die folgenden Ziele erreichen:
• Die Unternehmensstrategie wird mit dem Wertschöpfungsfaktor Information verbunden.
• Der Wert des Produktionsfaktors Information kann transparent und greifbar gemacht werden.
• Es wird ein Rahmen geschaffen, der für alle Parteien die zentrale Leitlinie bildet.
• Die notwendigen Methoden, Strukturen, Prozesse und Verfahren werden etabliert, um den
universellen Zugriff auf alle Unternehmensdaten zu ermöglichen («Data Highway»).










von links nach rechts: Bruno Wildhaber, Consultant; Urs A. Müller-Lhotska, UB S AG; Peter Senn, Raiffeisen; Michael Rumpf, PostFinance

Bruno Wildhaber, Consultant: Wieso ist strategisches IM für Ihr Institut wichtig?
Urs A. Müller-Lhotska, UBS AG: Alle für ein erfolgreiches Unternehmens- Management relevanten Gesellschaftsdokumente müssen sicher jederzeit abrufbar und permanent aufbewahrt werden. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, braucht es eine effiziente IM -Strategie.
Peter Senn, Raiffeisen: Die regulatorischen Anforderungen im Bankenumfeld werden laufend erhöht. Es ist wichtig, die geschäftsrelevanten Unterlagen jederzeit und ortsunabhängig in einer vernünftigen Zeit zur Verfügung stellen zu können.
Michael Rumpf, PostFinance: Die Abhängigkeiten der verschiedenen Disziplinen im Informationsmanagement ist enorm gross. Die Koordination ist deshalb besonders wichtig. Der Gefahr von Fehlinvestitionen kann nur mit strategischer IM -Planung begegnet werden.

Bruno Wildhaber, Consultant: Welche konkreten Probleme haben Sie heute, und wie können Sie diese mit Hilfe von IM adressieren?
Urs A. Müller-Lhotska, UBS AG: Mittels einer qualitativen Triage reduzieren und kanalisieren wir die Informationen. Diese werden in ein Langzeitarchivierungsformat migriert. Diese kryptierten Daten müssen allen Interessierten im Bedarfsfall weltweit zur Verfügung stehen.
Peter Senn, Raiffeisen: Die Kostensteigerungen aufgrund der zunehmenden Datenflut und der redundanten Datenhaltung müssen in den Griff bekommen werden. Nur mit einem adäquaten IM lassen sich die Kosten optimieren und somit auch die Prozess- und Effizienzsteigerung realisieren.
Michael Rumpf, PostFinance: Wir stecken mitten in der Umsetzung eines Grossvorhabens im Bereich des IM . IM hilft, den Überblick zu behalten und die Prioritäten richtig zu setzen, indem man die richtigen Fragen stellt.

Bruno Wildhaber, Consultant: Weshalb haben Sie in dieser Arbeitsgruppe mitgemacht?
Urs A. Müller-Lhotska, UBS AG: Uns Teilnehmern hat sich die einmalige Möglichkeit geboten, eine Auslegeordnung von aktuellen IM -Problemen zu erstellen und gemeinsam nach praxisorientierten Lösungsansätzen zu suchen.
Peter Senn, Raiffeisen: Um den Erfahrungsaustausch mit anderen Finanzinstituten herzustellen und einen gemeinsames, breit abgestütztes Vorgehen zu definieren, beschlossen wir, uns aktiv in die Arbeitsgruppe einzubringen.
Michael Rumpf, PostFinance: Wir können voneinander lernen und vielleicht die eine oder andere unangenehme Erfahrung vermeiden.

Bruno Wildhaber, Consultant: Welchen Nutzen versprechen Sie sich davon?
Urs A. Müller-Lhotska, UBS AG: Das Resultat unserer Bemühungen, ein von Bruno Wildhaber redigierter Leitfaden zur «Information- Management-Strategie» soll dazu beitragen, unser Top-Management für diese strategisch wichtige Thematik zu sensibilisieren bzw. für entsprechende Lösungsvarianten zu mobilisieren.
Peter Senn, Raiffeisen: Wir erhoffen uns, das Top-Management sensibilisieren zu können, damit wir die notwendige Unterstützung zur Lösung der bestehenden Herausforderungen erhalten.
Michael Rumpf, PostFinance: Die Awareness für die Aspekte des Informationsmanagements geht in der Hektik des Tagesgeschäftes manchmal verloren. Es ist hilfreich, sich diese gelegentlich wieder vor Augen zu führen.

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